Gründung und Anfangsjahre

Weimarer Republik

Das Harnack-Haus wurde 1929 von der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft als Serviceeinrichtung für den Forschungscampus Berlin-Dahlem gebaut. Als ein "Haus der Freundschaft" sollte es den ausländischen Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern, die für kürzere oder längere Zeit in den umliegenden Kaiser-Wilhelm-Instituten forschten, ein Zuhause bieten.

Der Campus war 1911 weit vor den Toren der Stadt gegründet worden. In den 1920er-Jahren machte sich das Fehlen einer Infrastruktur spürbar bemerkbar, denn die Zahl der Institute war größer geworden und diese beschäftigten mehr Mitarbeiter. Außerdem waren immer mehr Wissenschaftler aus dem Ausland zu Gast. Da es in Dahlem nur wenige Übernachtungsmöglichkeiten und keinen zentralen Hörsaal gab, benötigte man einen zentralen Ort mit Gästezimmern, Gastronomie, Veranstaltungs- und Vortragsräumen sowie Salonräumen für zwanglose Treffen.

1929 wurde auf Initiative Adolf von Harnacks, Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, und seines Generalsekretärs Friedrich Glum der Plan für ein internationales Gäste- und Clubhaus in die Tat umgesetzt. Unterstützung gab Außenminister Gustav Stresemann. Von Harnack und Stresemann trafen sich in ihrer liberalen Gesinnung, und beide sahen die Internationalisierung als Schlüssel für den Erfolg der Weimarer Republik. Stresemann rang als Außenminister darum Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg wieder in die internationale Gemeinschaft zu integrieren und kämpfte dabei mit zahlreichen politischen Widerständen. Harnack vermittelt ihm, dass Wissenschaftler dabei wichtige Kulturbotschafter sein könnten. Am 7. Mai 1929 wurde das Harnack-Haus eröffnet.

Auch die Industrie förderte das Projekt. Für die Inneneinrichtung des Hauses warb die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft Spenden ein. Viele wichtige Wirtschaftsunternehmen sahen die Forschung als Innovationsmotor und gaben große Summen. Aber auch Privatleute aus dem In- und Ausland spendeten.

Für die Mitarbeitenden des Forschungscampus Dahlem wurde das Harnack-Haus rasch eine wichtige Anlaufstelle. Beliebt war das Mittagsangebot, die Sport- und Gymnastikkurse im Turnraum und die Tennisplätze. 1938 wurde ein Schwimmbad gebaut. Im Zeitungszimmer lagen rund 100 in- und ausländische Zeitungen für Hotelgäste und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kaiser-Wilhelm-Institute bereit.

Auch im Berliner öffentlichen Leben spielte das Haus bald eine Rolle. Prominente aus Wissenschaft und Kunst, Politiker und Diplomaten besuchten es ebenso wie Bankiers und Industrielle. Gäste aus Europa und Übersee logierten manchmal mehrere Monate. Für die KWG war das Harnack-Haus ein neuer wichtiger Ort der Kommunikation und der Netzwerkpflege.  

Doch auch andere Einrichtungen buchten das Haus für ihre Veranstaltungen, darunter der Akademische Austauschdienst, die Staatlichen Museen Berlin und ausländische Kulturinstitute. Besonders häufig war der Deutsche Akademikerinnenbund zu Gast, in dem viele Wissenschaftlerinnen der KWG Mitglied waren, darunter auch Lise Meitner. Das Harnack-Haus wurde ein Knotenpunkt im internationalen Netzwerk von Forschung, Politik und Wirtschaft.

Daneben gab es Veranstaltungen für die breite Öffentlichkeit. Im Hörsaal referierten bekannte Wissenschaftler ihre Themen auch für ein interessiertes Laienpublikum und legten damit die Grundlagen einer modernen Wissenschaftsvermittlung. Die Themen reichten von der Ornithologie bis zur modernen Atomphysik, Genetik und Biochemie. Sie umfassten aber auch geisteswissenschaftliche Vorträge.

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