Geschichte

Offiziersclub der US Army

Mitte Juli 1945 konfiszierten amerikanische Truppen das Harnack-Haus, das bei Kriegsende zunächst von der Roten Armee besetzt worden war. Die Amerikaner fanden ein unzerstörtes Gebäude, das sich gut als Hotel nutzen ließ, und richteten dort ihren Offiziersclub ein.

1945: Einzug der Amerikaner

General Lucius Clay (rechts) mit Gästen bei einer Veranstaltung im Goethe-Saal, 1948. Bild vergrößern
General Lucius Clay (rechts) mit Gästen bei einer Veranstaltung im Goethe-Saal, 1948.

Der Berliner Südwesten unterstand der alliierten Kontrolle der USA, die unweit des Harnack-Hauses ihr Hauptquartier bezog. Das Harnack-Haus repräsentierte fortan ein Stück Amerika in Berlin und trug bei zu den deutsch-amerikanischen Beziehungen. Statt Wissenschaftlern waren nun Mitglieder der Berlin Brigade hier regelmäßige Mittagsgäste und kamen zu Veranstaltungen und Festen.

Anknüpfend an die Tradition blieb das Harnack-Haus auch in den 1950er-Jahren ein Ort gesellschaftlicher Veranstaltungen. General Lucius Clay, von 1945 bis 1947 Militärgouverneur der amerikanischen Besatzungszone in Deutschland, lud ins Harnack-Haus zu Pressekonferenzen und Empfängen ein. Unmittelbar nach der Konfiszierung kamen Harry S. Truman und Dwight D. Eisenhower ins Haus.

Auch Berliner Ereignisse, etwa im Rahmen der Berliner Filmfestspiele, fanden in den 1950er-Jahren hier statt, vermutlich wohl auch aus Mangel an Veranstaltungsorten in der erheblich zerstörten Stadt.

An die akademische Tradition wurde insofern noch eine Zeitlang angeknüpft, als dass Organisationen wie die Columbus Gesellschaft Feste und Bälle für amerikanische Studenten gab, die zu einem Gastaufenthalt nach Berlin kamen. Als der Vizepräsident der Columbia University Kirk L. Grayson 1952 Berlin besuchte, traf er im Harnack-Haus die Dahlemer Nobelpreisträger Max von Laue und Otto Warburg, die beide intensive Forschungsbeziehungen in die USA unterhielten. Ihre ehemals zur Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft gehörenden Institute wurden ein Jahr später in die Max-Planck-Gesellschaft integriert.

1950-1994: Neue Nutzung

Das Harnack-Haus am 4 Juli 1982. Bild vergrößern
Das Harnack-Haus am 4 Juli 1982.

Kurz nach der Übernahme des Harnack-Hauses durch die US-Armee war rasch klar, dass das als Club- und Gästehaus konzipierte Gebäude den neuen Anforderungen und Wünschen nur bedingt gerecht werden konnte. Denn es fehlt an großen Sälen für ausgelassene Partys und glamouröse Feste. Anfang der 1950er-Jahre wurden Teile angefügt und die Struktur des Gebäudes nachhaltig verändert.

Schon kurz nach der Konfiszierung begann die Berlin Brigade den Umbau des Hauses zu planen. Nach Entwürfen des Architekten Eckart Muthesius wurde der Hörsaal in eine Tanzbar verwandelt. Vortragstafel und Labor-Versuchstisch wichen einer Tanzfläche und die ansteigenden Stuhlreihen wurden entfernt. Die neue „Marine Bar“ war bald eine feste Einrichtung im Berliner „Klein-Amerika“. Auch der Rest des Hauses musste umfassende Eingriffe in die Bausubstanz verkraften. Direkt angrenzend an den Hörsaal wurde der Ballsaal gebaut. Bis 1953 hatte lediglich ein schmaler Korridor das Hauptgebäude mit dem Hörsaal verbunden. Nun wurde an seiner Stelle ein weiteres Geschoss für den Ballsaal aufgestockt.

Auch im Hauptgebäude gingen Bauarbeiter zu Werk. Die Clubhalle (heute Planck-Lobby) wurde durch den Anbau des Wintergartens um ein Vielfaches erweitert. Die Terrasse, die zuvor direkt von der Lobby erreichbar gewesen war, verschwand dadurch.

Das Harnack-Haus war kurz nach dem Krieg noch weitgehend mit der alten Inneneinrichtung ausgestattet gewesen. Einige Stücke davon wurden von der Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft, einzelnen Personen und Instituten zurückgefordert. Ihr Verbleib ist unbekannt.

Der tiefgreifendste Eingriff in die Innenarchitektur fand Ende der 1960er-Jahre statt, als die Frau des amtierenden Kommandanten Robert G. Fergusson das Haus großflächig nach ihren Stilvorstellungen umgestaltete. Mutmaßlich wurde auch der Ballsaal in dieser Zeit mit künstlichen Stuckelementen, Spiegeln und geblümten Teppichen ausgestattet. Diese Einbauten verschwanden bei der Sanierung von 2014.

Seit dieser Zeit wurde das Haus mehr und mehr von den amerikanischen Besatzern geprägt. Die heutige Einstein-Lounge diente als Pub, wo Guinness und Lager nur mit US-Dollar bezahlt werden konnten. Im Goethe-Saal veranstaltete der American Women’s Club Bazare oder Theateraufführungen. Die Öffentlichkeit konnte das Haus zu ausgewählten Veranstaltungen betreten, bei denen Deutsche und Amerikaner sich näherkamen. Erst kurz vor ihrem Abzug öffneten die US-Alliierten das Haus vollständig für interessierte Berliner.

 
loading content
Zur Redakteursansicht