Porträtwand

Gäste 1929-1953

Die interaktive Porträtwand im Wintergarten versammelt 156 Persönlichkeiten, die im Harnack-Haus von 1929 bis zur Umgestaltung als Offizierscasino Gäste waren. Darunter sind neben Wissenschaftlern und 35 Nobelpreisträgern auch Politiker, Künstler, Industrielle und andere Personen, die die Geschichte dieser Zeit prägten. 30 Themenpfaden strukturieren Personen zu Gruppen und zeigen welche Beziehungen diese Menschen untereinander und zum Harnack-Haus unterhielten.

Zwischen 1929 und 1943 betrieb das Harnack-Haus einen Hotelbetrieb für ausländische Wissenschaftler, aber auch für diplomatische Gäste des Auswärtigen Amts. Manche der Forschenden blieben für mehrere Monate als wissenschaftliche Fellows. Betreiber des Hauses die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (KWG), die 1911 als erste Einrichtung für Grundlagenforschung in Deutschland gegründet worden war und sich als neue Organisation für Spitzenforschung rasch erfolgreich profiliert hatte. Dementsprechend war die Einladungspolitik der KWG. Nach derzeitigem Kenntnisstand kamen mindestens 35 Nobelpreisträger aller Disziplinen zwischen 1929 und 1943 ins Harnack-Haus. Sie kamen als Gastgeber, darunter Max Planck, Fritz Haber oder Otto Hahn, oder als Gäste, darunter der indische Literat Rabindranath Tagore oder der ungarische Biochemiker Albert von Szent-Györgyi.

Gäste im Harnack-Haus

Doch das Haus sah auch Politikerinnen und Politiker, darunter Gustav Stresemann und Marie-Elisabeth Lüders, und Künstlerinnen und Künstler wie Henny Porten und Gustaf Gründgens. Besonders wichtig für die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft waren Industrielle, darunter Carl Friedrich von Siemens und Gustav Krupp von Bohlen und Halbach. Die Gäste- und Veranstaltungslisten spiegeln die weiten Netzwerke der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, die sie im Harnack-Haus ausbaute und pflegte.

Die Anordnung der Personen orientiert sich grob chronologisch und beginnt links mit dem Namensgeber und Gründer Adolf von Harnack. Die Installation lädt zur Erkundung von 30 Themenpfaden ein. Zusammen zeichnen sie ein Bild des Lebens im Harnack-Haus als Teil deutscher Zeitgeschichte. Dabei werden Persönlichkeiten, die eine tragende Rolle für den Nationalsozialismus spielten, bewusst nicht ausgespart. Zu ihnen gehören der Architekt und Rüstungsminister Albert Speer oder der Rasseforscher Eugen Fischer. 

Jede Person der Porträtwand ist Teil eines Themenpfades mit drei bis acht Biografien. Die Themenreihe erschließt sich durch dieselbe Lichtfarbe sobald eine Box geöffnet wird. Eine kurze Biografie der Person finden Sie in der Porträtbox. Für noch mehr Informationen über die Personen und ihre Beziehungen untereinander nehmen Sie eine Karte aus dem Postkartenfach der jeweiligen Box. Nobelpreisträger werden mit formatfüllenden Porträtkarten gewürdigt.

Nobelpreisträger

Albert Einstein im Harnack-Haus

Insgesamt 35 Nobelpreisträger besuchten das Harnack-Haus nachweislich zwischen 1929 und 1943, davon 10 aus dem Ausland. Schon vor Gründung des Hauses hatte die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (KWG) ein Gremium bestellt, das vorwiegend aus Direktoren der Dahlemer Kaiser-Wilhelm-Institute bestand und Vorschläge machte, welche ausländischen Wissenschaftler als Fellows oder Gastredner nach Berlin eingeladen werden sollten. Besonders aktiv bei der Pflege dieser Beziehungen waren der Biochemiker Carl Neuberg und der Biologe Richard Goldschmidt, aber auch Michael Polanyi, Abteilungsleiter am Institut Fritz Habers.

Viele der Gäste waren zum Zeitpunkt der Einladung bereits Nobelpreisträger, andere sollten den Preis später erhalten. Hans Fischer erreichte die Nachricht der Preisverleihung 1930 im Harnack-Haus.

Unter den bereits mit dem Nobelpreis geehrten Forschern waren die Biochemiker Otto Fritz Meyerhof und Otto Warburg, die Physiker Max Planck, Max von Laue und Albert Einstein, sowie Fritz Haber – allesamt Wissenschaftliche Mitglieder der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. Mit Hans Krebs kam 1932 ein Nachwuchsforscher ins Harnack-Haus, der erst viel später mit dem Nobelpreis geehrt wurde, aber seine Karriere in der KWG und in Dahlem begann. Auch Konrad Lorenz, der 1936 einen Vortrag im Harnack-Haus hielt, wurde erst wesentlich später als Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft mit dem Nobelpreis geehrt.

Stammgäste im Harnack-Haus waren im „Dritten Reich“ Adolf Butenandt und Richard Kuhn. Ihre Nominierung für den Nobelpreis 1939 bzw. 1938 sind besondere Fälle der Geschichte der Wissenschaft im Nationalsozialismus. Denn beide Wissenschaftler durften die an sie vergebenen Nobelpreise nicht annehmen, da Hitler ein Verbot ausgesprochen hatte. Hintergrund ist die Würdigung des Pazifisten und Publizisten Carl von Ossietzky mit dem Friedensnobelpreis für das Jahr 1935. Ossietzky war 1933 als Gegner des NS-Regimes verhaftet und in ein Konzentrationslager verbracht worden. Ossietzkys Freund startete aus dem Ausland eine Kampagne und schlug ihn für den Friedensnobelpreis vor, um den Fall öffentlich zu machen. Als das gelang, reagierte Hitler mit dem Verbot für alle Deutschen, den Nobelpreis anzunehmen. Butenandt und Kuhn nahmen die Urkunden nach dem Zweiten Weltkrieg entgegen: zu einer Zeit, als sie schon Mitglieder der Max-Planck-Gesellschaft waren.

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