1945 - 1994

1950 – 1994 Neue Nutzung

4. Juli 1985 im Harnack-Haus Bild vergrößern
4. Juli 1985 im Harnack-Haus

Kurz nach der Übernahme des Harnack-Hauses durch die US-Armee war rasch klar, dass das als Club- und Gästehaus konzipierte Gebäude den neuen Anforderungen und Wünschen nur bedingt gerecht werden konnte. Denn es fehlt an großen Sälen für ausgelassene Partys und glamouröse Feste. Anfang der 1950er-Jahre wurden Teile angefügt und die Struktur des Gebäudes nachhaltig verändert.

Schon kurz nach der Konfiszierung begann die Berlin Brigade den Umbau des Hauses zu planen. Nach Entwürfen des Architekten Eckart Muthesius wurde der Hörsaal in eine Tanzbar verwandelt. Vortragstafel und Labor-Versuchstisch wichen einer Tanzfläche und die ansteigenden Stuhlreihen wurden entfernt. Die neue „Marine Bar“ war bald eine feste Einrichtung im Berliner „Klein-Amerika“. Auch der Rest des Hauses musste umfassende Eingriffe in die Bausubstanz verkraften. Direkt angrenzend an den Hörsaal wurde der Ballsaal gebaut. Bis 1953 hatte lediglich ein schmaler Korridor das Hauptgebäude mit dem Hörsaal verbunden. Nun wurde an seiner Stelle ein weiteres Geschoss für den Ballsaal aufgestockt. 

Auch im Hauptgebäude gingen Bauarbeiter zu Werk. Die Clubhalle (heute Planck-Lobby) wurde durch den Anbau des Wintergartens um ein Vielfaches erweitert. Die Terrasse, die zuvor direkt von der Lobby erreichbar gewesen war, verschwand dadurch.

Das Harnack-Haus war kurz nach dem Krieg noch weitgehend mit der alten Inneneinrichtung ausgestattet gewesen. Einige Stücke davon wurden von der Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft, einzelnen Personen und Instituten zurückgefordert. Ihr Verbleib ist unbekannt.

Der tiefgreifendste Eingriff in die Innenarchitektur fand Ende der 1960er-Jahre statt, als die Frau des amtierenden Kommandanten Robert G. Fergusson das Haus großflächig nach ihren Stilvorstellungen umgestaltete. Mutmaßlich wurde auch der Ballsaal in dieser Zeit mit künstlichen Stuckelementen, Spiegeln und geblümten Teppichen ausgestattet. Diese Einbauten verschwanden bei der Sanierung von 2014.

Seit dieser Zeit wurde das Haus mehr und mehr von den amerikanischen Besatzern geprägt. Die heutige Einstein-Lounge diente als Pub, wo Guinness und Lager nur mit US-Dollar bezahlt werden konnten. Im Goethe-Saal veranstaltete der American Women’s Club Bazare oder Theateraufführungen. Die Öffentlichkeit konnte das Haus zu ausgewählten Veranstaltungen betreten, bei denen Deutsche und Amerikaner sich näherkamen. Erst kurz vor ihrem Abzug öffneten die US-Alliierten das Haus vollständig für interessierte Berliner. sk