Clubleben

Gründung und die Zeit der Weimarer Republik

Der spanische Philosophieprofessor Xavier Zubiri in seinem Zimmer im Harnack-Haus, 1930. Bild vergrößern
Der spanische Philosophieprofessor Xavier Zubiri in seinem Zimmer im Harnack-Haus, 1930.

1929 gründete die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (KWG) das Harnack-Haus als Gästehaus für ausländische Wissenschaftler/innen und als Treffpunkt der Dahlemer Institute. Für die Inneneinrichtung des Hauses warb die KWG Spenden ein. Viele wichtige Wirtschaftsunternehmen sahen die Forschung als Innovationsmotor und gaben große Summen. Aber auch Privatleute aus dem In- und Ausland spendeten. Insgesamt wurden 1,3 Mio. Mark eingeworben, das sind heute umgerechnet ca. 4 Mio. Euro (Stand: 2014).

Die Eröffnung des Hauses im Mai 1929 schuf eine neue Serviceeinrichtung für den Forschungscampus Dahlem und seine sieben Institute. Beliebt war das Mittagsangebot, doch das Harnack-Haus bot auch Sport- und Gymnastikkurse im Turnraum und verfügte über eigene Tennisplätze. 1938 kam ein Schwimmbad hinzu. Im Zeitungszimmer lagen rund 100  in- und ausländische Zeitungen für Hotelgäste und  Mitarbeiter der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft bereit.

Das neue Clubhaus etablierte sich schon kurz nach seiner Eröffnung als Treffpunkt der pulsierenden Metropole Berlin. Prominente aus Wissenschaft und Kunst, Politiker und Diplomaten besuchten es ebenso wie Bankiers und Industrielle. Gäste aus Europa und Übersee logierten manchmal mehrere Monate. Für die KWG war das Harnack-Haus ein neuer wichtiger Ort der Kommunikation. Der Präsident der KWG und viele Direktoren der Dahlemer Institute empfingen hier Gäste standesgemäß, gaben Teenachmittage oder Bankette für einen kleinen Kreis ausgewählter Persönlichkeit aus Politik, Wirtschaft und Kultur.

Neben der KWG buchten auch andere wissenschaftliche Einrichtungen das Haus für ihre Veranstaltungen, darunter der Akademische Austauschdienst, der Deutsche Akademikerinnenbund, die Staatlichen Museen Berlin und ausländische Kulturinstitute. Das Harnack-Haus wurde damit bald zu einem Knotenpunkt im internationalen Netzwerk von Forschung, Politik und Wirtschaft weit über die KWG hinaus.

Daneben gab es Veranstaltungen für die breite Öffentlichkeit. Im Hörsaal referierten bekannte Wissenschaftler ihre Themen auch für ein interessiertes Laienpublikum und legten damit die Grundlagen einer modernen Wissenschaftsvermittlung. Die Themen reichten von der Ornithologie bis zur modernen Atomphysik, Genetik und Biochemie. Es umfasste aber auch geisteswissenschaftliche Vorträge. sk

 
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