1929 - 1945

Die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft

Dahlem um 1918, Luftbild Bild vergrößern
Dahlem um 1918, Luftbild

Die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (KWG) wurde 1911 als erste deutsche Einrichtung für Grundlagenforschung in Berlin gegründet. Ziel war in erster Linie die Förderung der Naturwissenschaften, deren Bedeutung spätestens seit der Hochindustrialisierung in der Gründerzeit klar geworden war. Ergänzend zur Arbeit der Universitäten und in Zusammenarbeit mit ihnen sollte die KWG Forschung in eigenen Instituten betreiben. Die Wissenschaftler waren dort von jeder Lehrpflicht entbunden und sollten die beste Ausstattung mit Geräten erhalten. 

Adolf von Harnack, Theologe und Direktor der Königlichen Bibliothek in Berlin, und der preußische Kultusminister Friedrich Althoff hatten den Plan seit 1909 entwickelt und ihn erfolgreich dem Parlament und Kaiser Wilhelm II. vermittelt. Der Kaiser willigte ein, die neue Gesellschaft nach ihm zu benennen. 

Schon bei der Gründung hatte man das königliche Domänengut in Berlin-Dahlem als geeigneten Standort für den Bau der neuen Forschungsinstitute identifiziert. Denn das Land gehörte dem Staat, der ausgewählte Flächen kostenlos für den Bau der Wissenschaftsgebäude zur Verfügung stellte. Weitere Gelder wurden bei der Industrie und privaten Spendern eingeworben. Der Name des Kaisers sicherte der neuen Gründung hohe Reputation, und für viele reiche Leute wurde es bald eine Frage des guten Rufs, Förderndes Mitglied der KWG zu sein. Unter den Mäzenen waren besonders viele jüdische Financiers.

Die ersten Institute entstanden schon ein Jahr nach Gründung der KWG ab 1912 in Berlin-Dahlem. Im Oktober konnte der Kaiser die Institute für Physikalische Chemie und Elektrochemie unter Leitung Fritz Habers und für Chemie unter Leitung von Ernst Beckmann eröffnen. Im Weltkrieg expandierte Habers Institut, denn Haber stellte es voll in den Dienst des Krieges und entwickelte Giftgaswaffen für das deutsche Heer.

1915 wurde trotz des Krieges mit dem Kaiser-Wilhelm-Institut für Biologie ein weiterer Bau eröffnet. Mitte der 1920er-Jahre war der Campus auf fünf Institute angewachsen, weitere waren in Gründung.

Doch die Infrastruktur im ländlichen Dahlem war nicht mitgewachsen. Deshalb wurde der Wunsch nach einer zentralen Einrichtung mit Vortragssälen und Restaurant immer dringender. Hinzu kam, dass immer mehr Gastwissenschaftler in Dahlem arbeiteten, die nur schwer untergebracht werden konnten. sk

 
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